Hansruedi Nyffenegger
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Post #113 of 218

Hi Sam

Nicht kürzen - gib uns die ganze Geschichte ;-)

Und ich würde mich eher noch als Gfrörli bezeichnen... Ja, ich denke es ist mangelnde Erfahrung - würde passen, dass ich  auch verhältnismässig viele Gels, Camelbacks und überforderte Leute gesehen hab? 

Ich habe anfangs auch gemeint, bei unter 12 Grad müsste mindestens eine Jacke sein. Dass man beim Laufen ordentlich warm kriegt entgeht vielen. Wenn man sich aber konsequent auf die Temperatur achtet, weiss man es dann mit der Zeit. Den Wind finde ich schwerer zu schätzen. Bin am Sonntagmorgen nach 100 m umgekehrt, weil der "Fahrtwind" unangenehm kalt war. Beim Anziehen auf der Terrasse habe ich es noch im T-Shirt angenehm gefunden, kaum um die Ecke ... brrr!

Gute Erholung!

HR

 

 

 

Sam Roth
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Post #52 of 69

Saluti Hansruedi

Super - vielen Dank für deinen Bericht! 

Finde das eine gute Idee. Bin gerade noch dabei, einen ausführlichen Erlebnisbericht zum Chicago Marathon zu schreiben. Mal schauen, ob ich den dann auch noch in zusammengefasster Version hier einstelle. :)

Mir ist das auch schon des öfteren aufgefallen, dass viele dazu tendieren, sich viel zu warm anzuziehen. Also zumindest nach meinem Dafürhalten. Es mag ja Gründe dazu geben, die sich einem von aussen nicht erschliessen. Aber in der Tendenz sehe ich das oft, auch auf den Trainingsstrecken. Nur weil Oktober ist, heisst das ja noch lange nicht, dass man mit Mütze, Buff, Langarm und langen Tights laufen muss. Woran liegt das? Mangelnde Erfahrung?

Liebe Grüsse
Sam

Hansruedi Nyffenegger
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Post #114 of 218

Murtenlauf, 7.10. 2018

Der Murtenlauf ist mit der 85. Ausgabe 2018 eine wirklich altehrwürdige Angelegenheit. Irgendwie wollte ich den unbedingt mal laufen, auf weil der Sage nach auch hier ein Melde-Läufer tot umgefallen sein soll. Was den Lauf auch speziell macht, ist die Tatsache, dass es kein Rundkurs sondern ein Einweg-Lauf ist, was ebenfalls ein paar Dinge anders macht, als bei vielen andern Läufen. Aber der Reihe nach.

Die Homepage ist zweisprachig und enthält etwa die übblichen Informationen, wer sich aber genau vorbereiten will, etwa bei der Frage, was genau die Verpflegung umfasst, wird leider nicht so schnell fündig, wenn überhaupt. Das wäre aber gerade bei einem Vorbereitungslauf (3 Wochen vor Frankfurt, Lausanne und Luzern) nicht ganz unwichtig.

Die Anreise gestaltete sich recht angenehm, es hatte fast für alle Sitzplätze im Zug, kaum Gedränge. Ruhiger jedenfalls als beim Kerzerslauf. Natürlich kann ich nicht für alle Züge sprechen. Ich war eher etwas knapp dran, aber in kaum 10 Minuten ist man vom Bahnhof beim Gepäckverlad.

Hier muss das Gepäck auf Lastwagen verladen werden. Jugendliche helfen da. Aus irgend einem unerfindlichen Grund, fanden sie dann genau vor mir, der Lastwagen sei voll, man wurde zum vordern geschickt, der aber mindestens so voll war. Später haben sie dann wieder auf den "vollen" LKW geladen. Soweit kein Problem, man muss sich aber unbedingt merken, in welchem Block das Gepäck fährt. 

Der Start in Murten ist sehr stimmungsvoll, das Städtchen völlig von Läufern überschwemmt. Was im Vergleich zu andern Läufen etwas dünn ausfällt sind die Sponsoren-/Partner-Stände. Das liegt vermutlich auch daran, dass Start und Ziel an zwei Orten sind. Vielleicht war ich aber auch nur zu kurz vor Ort, denn zwischen Ankunft und Start hatte ich nur 53 Minuten und die verbrachte ich recht lange beim Anstehen vor den WCs. Hier hatte ich den Eindruck, das es etwas wenige waren. Aber das ist glaub immer so...

Durch das schöne Berntor geht es ins Städtchen hinein, wo der eigentliche Start liegt; hier ist viel Betrieb und alle paar Minuten wurde eine Welle losgeschickt. Super Stimmung!

Unmittelbar nach dem Start geht es in einer S-Kurve aus dem Städtchen Murten raus. Hier wurde es (zu) eng, die Strasse verengt sich, so dass kaum noch im Schritttempo gelaufen werden konnte. Das war aber zum Glück nur ein paar Dutzend Meter der Fall, dann konnte es ernsthaft losgehen. Als Tip: ganz vorne und Vollgas weg - oder hinten und möglichst lange warten bevor man über den Start läuft, jedenfalls wenn es auf ein paar Sekunden ankommt.

Der Lauf war sehr angenehm, beste Temperaturen, nach einigen km kam auch die Sonne raus. Man muss sich aber bewusst sein: es geht aufwärts. Man startet auf rund 450 müM, das Ziel liegt auf ca. 610 müM. Neben den Steigungen, hat es auch ein paar eher kürzere Teile abwärts. Meine Uhr mass 290m aufwärts und 140m abwärts. Diese Höhenmeter bremsen und sind auch mental nicht ganz ohne - man sieht auf der Strecke teils recht weit. Eine Mitläuferin meine irgendwo unterwegs: "Was - schon wieder ufe? Und de no so e länge Stutz". Die übelste Stelle ist meiner Meinung nach rund 12,5 km erreicht, wo es rund 1 km nach dem Dörfchen Pensier eine steile S-Kurve macht. Hier wird doch recht oft marschiert.Toll aber, dass gerade hier sehr viele Zuschauer anfeuern. Glocken, Kinder, Plakate,... Hühnerhaut pur, besser als der Zieleinlauf.

Abgesehen von den Höhenmeterns ist es ein sehr schöner Lauf überland, gerade an einem sonnigen und angenehm kühlen Herbsttag. Die Verpflegung ist OK für eine kürzere Strecke. Die Stimmung unterwegs ist freundlich, es hat überall Zuschauer und die eine oder andere musikalische Darbietung, aber abgesehen von den letzten paar Kilometern ist es doch eher ein ruhiger Lauf.

Die Strecke ist mit 17,2 km eine gewisse Herausforderung, auch wegen den Höhenmetern, aber mit ordentlichem Training machbar und 4 km kürzer als ein Halbmarathon. Was mir aber aufgefallen ist: relativ viele Läufer mit gesundheitlichen Problemen. Zufall oder nicht. Natürlich kann das immer passieren, aber ich habe mehr Sanitäter an der Arbeit gesehen als bei etlichen Läufen zusammen. Eine zweite Beobachtung: sehr viele Leute laufen mit unglaublichen Mengen von Gels, Getränken und Camelbaks. Was bei den Temperaturen kaum nötig wäre. Ein Teil tut das um den Gepäcktransport zu vermeiden. Oder um für einen Marathon zu testen. Auch auffällig, wie viele Laufende mit langen Kleidern rennen und sogar Mützen waren zu finden. Dritter Eindruck: viele LäuferInnen laufen am Limit. Da wird gekeucht, gelitten und gekotzt und eher wenige scheinen da locker und mit Spass zu laufen. Wie gesagt, das sind ganz persönliche Eindrücke.

Nachdem der letzte steile Anstieg überwunden ist, kann man es dann ein paar Kilometer rollen lassen, hinein in die Altstadt von Fribourg, vorbei an der Kathedrale und dann die letzen, etwas anstrengenden paar hundert Meter hinauf ins Ziel. Running Coach hatte mir knapp 100 Minuten prognositiziert, ich war gut 3 1/2 Minuten schneller, ohne wirklich ans Limit zu gehen.

Ab hier gefällt mir der Lauf nicht mehr sonderlich gut. Zuerst musste man das Sponsoren-Dörfchen überhaupt finden, was doch ein paar Meter mehr ist als üblich, bis es endlich etwas zu trinken gab. Leider waren dann auch die T-Shirts nicht mehr in allen Grössen vorhanden, aber das ist fast bei allen Läufen ein Thema. Schade war, dass verschiedene Sponsoren nicht zu finden waren. Den Bon für eine Wurst habe ich heute noch - und auch andere Läufer haben den Stand offenbar nicht gefunden. Gleiches gilt für Running Coach. Der Murtenlauf ist in der Laufserie, man hätte sich noch einen Gutschein holen können, doch den entsprechenden Stand fand ich nicht. Irgendwie ist der Zielbereich relativ unübersichtlich. Nützlich wären auch ein paar Helfer und grossformatige Pläne. 

Dann galt es die Tiefgarage zu finden, wo das Gepäck deponiert wurde. Leider waren keine Helfer zu finden und die Anschrift war auch nicht überall so klar - es irrten doch recht viele Läufer herum, war also nicht nur mein Problem. Und war man dann beim Gepäck, dann galt es, das zu finden. Ich brauchte fast 15 Minuten um meine Tasche zu finden. Ich war mindestens 3 x daran vorbeigekommen, offenbar war sie unter diversen andern Taschen verborgen. 

Zum Duschen gab es 2 Möglichkeiten, ich marschierte gut 500 m in ein Collège wo es - wieder recht schlecht markiert - eine kalte Dusche gab.

Persönliches Fazit: ein Klassiker, den man mal laufen sollte. Wäre die Organisation noch etwas besser, vielleicht auch ein zweites Mal.

Keep on running

Hansruedi