Martin Hess
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Wir überflogen gerade die irische Atlantik-Küste, als die Durchsage des Piloten kam, dass wir aufgrund eines technischen Problems wieder nach Zürich zurückfliegen würden. Dies am Karfreitag auf der Marathonreise von Markus Ryffels / Kuoni nach Boston – ein wahrlich nicht ganz optimaler Start!

Am Samstag Mittag dann der zweite Versuch – diesmal mit Lufthansa via Frankfurt nach Boston. Die Atlantiküberquerung mit dem altehrwürdigen Jumbo Jet war super, aber es war dann auch ein sehr langer Tag bis wir im Hotel in Boston angekommen waren.

Der Sonntag war dann mit dem Besuch der Marathon Expo und Abholen der Startnummer und Goodie Bag sowie den restlichen Vorbereitungen gefüllt – und dann gings auch schon los.

Zum Glück sind die Startzeiten am Boston Marathon – anders als bei anderen grossen Marathons – spät angesetzt. Wir gingen bei blauem Himmel und 10 Grad zu Fuss vom Hotel zum Startgelände, wo tausende Marathonies auf die Beförderung zum Start in Hopkinton warteten. Hunderte der aus Filmen bekannten gelben Schulbusse strömten ununterbrochen heran. Die Fahrt ging dann via einer abhgesperrten Autobahnspur in ca. 1 Stunde aufs Land. Manch einer wird dabei wohl gedacht haben, dass wir diese ganze Strecke zurücklaufen müssen…

Das Startgelände ist ein grosser Sportplatz der Schule in Hopkinton. Die Organisation vor Ort war super, viele Toiletten vorhanden und man wusste dank dem Speaker immer, wann man an der Reihe war, zum Start zu marschieren. Dieser liegt nochmals ca. 1.5km entfernt – am Start selbst heissts dann einstehen und warten.

Nach dem Startschuss dauerte es die üblichen Minuten, bis sich auch unsere Gruppe langsam in Bewegung setzte. Die ersten 15km führen über eine Landstrasse und durch mehrere kleinen Dörfer. Die Strasse ist nicht wirklich breit – ähnlich den Landstrassen bei uns – sodass man mit dem Überholen besser die ersten 2, 3 Kilometer abwartet. Die Strecke ist in diesem Abschnitt leicht gewellt – die negativen Höhenmeter sind mir dabei nicht aufgefallen.

Bei Kilometer 20 befindet sich das Wellesley Mädchen-College. Die Girls schreien sich die Stimmbändern aus dem Leib – Gerüchten zufolge werden müde Läufer auch mit Küssen wieder motiviert…

Sehr geschätzt habe ich die Wasser- und Gatorade Posten alle Meilen. Eine tolle Idee war auch, dass diese rechts und links der Strasse um ca. 100m versetzt angeordnet sind. So gibt es kein Gedränge, auch wenn anfangs der Strecke die Läufer noch dicht beisammen laufen. Verpflegt habe ich mich mit selbst mitgebrachten Gels, abgegeben wurden Maurten.

Ab Kilometer 25 wird die Strecke dann coupierter. Der Heartbreak Hill ist aber nicht wie in gewissen Blogs und Youtube Videos eine überhängende Wand sondern einfach ein Hügel, wie wir ihn in der Schweiz überall vorfinden. Klar sind die Beine bei Kilometer 32 nicht mehr ganz so frisch, aber wenn man die Pace etwas reduziert und die Anfeuerungsrufe der unglaublichen Zuschauer verinnerlicht, so ist der Anstieg kein grosses Problem. Meine Oberschenkel fanden das anschliessende Herunterlaufen hingegen weniger prickelnd.

Danach stehen die Zuschauer Schulter an Schulter bis ins Ziel. Die Stimmung war unglaublich und steht derjenigen in New York in nichts nach! Plakate, Bands, «you wave we drink» und vieles mehr sorgt für Ablenkung auf der nun ins Stadtgebiet hereinführenden Strecke. Diese führt an einer Tramlinie entlang und kam mir gegen Schluss recht lange vor. Kurz vor Schluss wird diese Tramlinie in einer Unterführung gequert – ist diese geschafft, fehlen nur noch 2, 3 Kurven und man kommt auf die Boylston Street, hat das Ziel im Blick und kann nochmals raushauen, was die Beine noch hergeben.

Im Ziel waren unzählige Helfer, übergaben Wasser, Medaille, Folie oder standen mit Rat und Tat zur Verfügung. Vor dem Bustransfer zum Start konnte man am Ziel einen Beutel deponieren – es gibt keinen Transport vom Start ins Ziel. Ich habe mich dagegen entschieden und machte mich bald auf Richtung Hotel und die warme Badewanne…

Ich habe die Strecke sehr genossen. Sie bietet Abwechslung; von kleinen Dörfern mit Seen und Feldern immer mehr Richtung Grossstadt. Die Zuschauer sind unglaublich, sie machen Lärm als gäbe es kein Morgen. Die Organisation ist perfekt. Da wir aufgrund Termine schon am Renntag wieder zurückfliegen mussten, habe ich nicht viel von der Stadt gesehen. Mal sehen, ob ich in ein paar Jahren nochmals in die gelben Busse steigen werde….

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