Martin Dummermuth
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Ein Teller Teigwaren auf dem Frühstückstisch mit Blick aufs Matterhorn: Ein untrügliches Zeichen, dass der Aletschhalbmarathon buchstäblich vor der Tür stand!

Zum dritten Mal nahm ich an diesem Berglauf teil. Zum ersten Mal war es aber für mich nicht der Hauptwettkampf im Jahr sondern eine Zwischenetappe zu meinem ersten Marathon in meinem Leben, dem Jungfraumarathon. Trotzdem markierte ich diesen Lauf als Hauptwettkampf, da er mir wirklich schon sehr ans Herz gewachsen ist. Und eines vorweg: Nach diesem Lauf hat sich dieses Gefühl nochmals bestärkt! 

Mit dieser Einstufung als Hauptwettkampf zwei Wochen nach meinen 14 tägigen Schottland Ferien machte ich es RC wohl nicht einfach. Wobei dies nicht so schwer ins Gewicht fiel, da sich RC mit Bergläufen (noch) etwas schwertut. Mit den Zeitvorgaben von RC für die zwei letzten Kilometer des Laufes hätte ich schon fast um den Tagessieg gekämpft..... :-). Hier stimmen wohl die Algorithmen von RC noch überhaupt nicht mit der (steilen) Realität überein.

Aber beginnen wir von vorne. Die Bettmeralp ist bekanntlich autofrei und alles wird mit den beiden Luftseilbahnen hinauf befördert. Somit auch sämtliche Läufer und Angehörige vor dem Start. Und obschon die die Teilnehmerzahl auf 2500 Personen beschränkt ist (der Lauf ist jeweils ab März ausgebucht), ergibt dies natürlich Kapazitätsprobleme mit entsprechenden Wartezeiten vor dem Start. Um diesem Stress aus dem Weg zu gehen, mieteten wir auch dieses Jahr wieder eine schöne Ferienwohnung auf der Bettmeralp. 

Der Start erfolgt ab 10.00 Uhr in 6 Startblöcken alle 5 Minuten. Dabei ist das Einstehen in den Startblöcke nicht ganz so klar geregelt wie in anderen Volksläufen und etwas chaotisch. Das Ziel hoch oben auf dem Bettmerhorn sieht man schon vom Start aus. Der Weg dorthin ist aber recht verschlungen und verläuft über grosse Teile auch gerade in der entgegengesetzten Richtung! Es geht auch nicht immer nur rauf sondern leider für mich (dazu später mehr) auch mal runter. Dies macht die Renneinteilung nicht ganz einfach aber auch spannend. Monotonie ist auf jeden Fall ein Fremdwort beim Aletschhalbmarathon.

Nach dem Start direkt bei der Bergstation der Bettmeralpbahnen geht es lautstark angefeuert von Angehörigen und Einheimischen schon mal bergauf durch das ganze Dorf, bevor man in einen schattenspendenen Wald eintaucht. Ja, es war heiss an diesem Sonntag, aber es hätte noch schlimmer sein können. Zudem befindet man sich immerhin auf 2000 m, was die Hitze auch etwas drückte. Nach einer 180 Grad Kurve im Wald kam dann schon die erste happige Steigung. Ich startete in der vierten Gruppe eher verhalten, konnte dann aber diese Steigung recht gut durchdrücken, während die meisten hier eine andere Taktik wählten und die Höhenmeter im Schrittempo bewältigten. Kurz nach dieser Steigung verlässt die Strecke dann den Wald wieder in Richtung Bettmeralp und bietet einen atemberaubenden Weitblick auf Matterhorn, Dom, Alphubel und viele andere bekannte 4000er Berge des Wallis. Jedes Mal wenn ich hier aus dem Wald herauslaufe kann ich mich einfach nicht sattsehen. Was für ein Glücksgefühl! Diese Landschaft - und das Glück zu haben dies in einer guten körperlichen Verfassung geniessen zu dürfen  - das ist Berglauf pur. Da könnte ich alle umarmen! 

Und das Tolle an der Strecke ist, dass es genau hier nicht mehr steil aufwärts geht. Nur noch ein paar Meter. Dann läuft man an einer Flanke entlang bevor es leicht abwärts an den Bettmersee runtergeht. Wo man wiederum von vielen Zuschauern angefeuert wird, welche in der Zwischenzeit vom Dorf hinauf spaziert sind. Wegen der Hitze habe ich ich mich entschlossen eine Trailrucksack zu tragen, um etwas mehr trinken zu können und autonomer von den Verpflegungsständen zu sein. Trotzdem profitierte ich natürlich zusätzlich vom ersten der insgesamt 7 Verpflegungsposten bei km 5,6 und genoss die gute Stimmung.

Weiter ging es nun Richtung Riederalp, also in der genau entgegengesetzten Richtung zum Bettmerhorn. Dazwischen liegt die Gopplerlücke, welche in einem angenehm stetig ansteigenden Pfad erreicht wurde. Enziane und weitere blühende Blumen ersetzten für einmal die fehlenden Panoramablicke bis zur Lücke. Und schon gings wieder runter zu Riederalp. Anfangs relativ steil, so dass direkt nach dem Aufstieg höchste Konzentration gefordert wurde. Hier konnte man die unterschiedlichsten Techniken beim Runterlaufen studieren, was unvermeidlich auch zu kleineren Staus führte. Schon bald wurde es jedoch flacher und die Riederalp war flugs nach 9 km erreicht und somit auch den zweiten Verpflegungsposten, ideal gelegen vor einer steilen Rampe zur Riederfurka hinauf.

Hier war die Zeit für die Verpflegung, da es zum Laufen definitiv zu steil war. Obwohl ich mich gut fühlte und absolut nicht am Limit lief, kriegte ich nicht das ganze Gel runter. Ich habe einfach Mühe mich während solchen Läufen genügend zu verpflegen. Mit Riegeln etc gehts überhaupt nicht. Und bei den Gels habe ich dann Mühe genügend zu trinken. Zumindest getrunken habe ich jedoch, zumindest bis hierhin, genügend. Zügig marschierte ich die Rampe hoch bei den ersten flacheren Passagen auf der Riederalp begann ich wieder zu laufen. Hier überholte ich relativ einfach viele andere LäuferInnen und bekam dann unverhofft noch einen zusätzlichen Boost: "Hej, Tinu, du siehst gut aus - weiter so" Mein Bruder hat sich doch tatsächlich auf die Riederfurka begeben um mich anzufeuern! Dazu muss man wissen, dass er sonst bei diesem Prachtswetter immer irgendwo in den Bergen am Klettern, Biken etc ist. Welch eine Ehre für mich! Diese Anfeuerung setzte in mir tatsächlich neue Energie frei, welche ich jedoch ums Riederhorn herum nicht ganz freisetzen konnte. 

Der Grund ist einfach: Der Wanderweg ums Riederhorn herum ist wunderschön, aber auch sehr schmal, teilweise mit grossen Steinen versetzt und an einigen Stellen so ausgesetzt, dass ich mich schon gewundert habe, dass ein solcher Volkslauf überhaupt an solch kritischen Stellen vorbeiführt! Das soll keine Kritik sein - ganz im Gegenteil. Heute leben wir oft in einer solchen Sicherheitswelt wo alles tausendfach abgesichert sein muss, so dass möglichst kein Restrisiko besteht. Da tut ein solcher Pfad gut, wo man noch Selbstverantwortung trägt! Also reiht man sich schön konzentriert ein. Für mich hätte es etwas schneller ums Riederhorn herum gehen können. Aber so konnte ich die Umgebung noch besser geniessen und auch etwas Körner sparen.

Natürlich gab es auch hier ein paar wenige Unverbesserliche die, wohl mit Blick auf die Laufuhr, unbedingt an den unmöglichsten Stellen überholen wollten und damit nicht nur sich selber sondern auch die anderen LäuferInnen gefährdeten. Witzig sind dann solche, die sich mit Zurufen Platz verschaffen wollen, wo es schlichtweg keinen Platz gab. Aber zum Glück sind solche Läufer (zumindest in meinem Leistungsbereich) die absolute Ausnahme und der ganze Lauf war sehr auf Rücksichtsnahme untereinander geprägt. Ganz allgemein ist an Bergläufen weniger Hektik vorhanden. Dies wird natürlich durch das gemächlichere Tempo begünstigt. Es erlaubt auch mal einen kurzen Schwatz untereinander. Oder einfach ein Schulterklopfen wenn man sieht, dass jemand leidet. Dies war auch dieses Jahr wieder deutlich zu beobachten!

Ums Riederhorn herum ist dann auch irgendwann mal die Hälfte des Laufes bewältigt - der zweite Teil des Laufberichtes wird folgen........