Sam Roth
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Post #51 of 53

Hallo Tanja

Vielen, vielen Dank für deinen schönen, emotionalen Bericht – und natürlich ganz herzliche Gratulation zum gelungenen Debut! Willkommen im Club, du darfst dich jetzt "offiziell" Marathoni nennen und das ist doch immer noch ein ziemlich exklusiver Kreis. Du hast etwas geschafft, was alles andere als selbstverständlich ist und es ist etwas wirklich ganz besonderes.

Well done!

«Dann endlich, das Brandenburger Tor. Diese Emotionen werde ich nie wieder vergessen.»

Ganz genau! Das ist mir auch so ergangen und beim Lesen dieses Abschnitts habe ich auch grad wieder Gänsehaut bekommen und in Gedanken die ganzen Emotionen noch einmal erleben dürfen.

Ich hatte mir das im Vorfeld stark eingeprägt und sogar ein Bild von Kenenisa Bekele von seinem Zieleinlauf im 2016 mit dem Brandenburger-Tor im Hintergrund ausgedruckt und bei meinem Arbeitsplatz hingestellt. So konnte ich mir das immer wieder anschauen und gut einprägen. Während des Marathons, als es wirklich hart wurde, habe ich mir dieses Bild dann immer wieder in Erinnerung gerufen und mir einfach gesagt «dort gehst du jetzt hin!». Dann bei Kilometer 41 geht es links um die Ecke und man hat den grossen Werbebogen von Erdinger Alkoholfrei vor sich und dahinter das Brandenburger Tor. Von dort bis ins Ziel bin ich dann förmlich geflogen, es war tatsächlich der schnellste Abschnitt des ganzen Rennens! Einfach absolut unvergesslich und während ich das schreibe… Ach!

Einfach gut gemacht – geniesse diesen Erfolg. Das Erlebnis des ersten Marathons wird dir nie mehr jemand wegnehmen können.

Gute Erholung!

Liebe Grüsse
Sam

Hansruedi Nyffenegger
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Post #102 of 116

Hoi Tanja

Danke vielmal für deinen langen und interessanten Bericht. Bild sieht gut aus, mehr Lächeln als ich in der Regel hinbekomme. Zuerst ganz viel Applaus der frisch gebackenen Marathoni und ein paar kurze Bemerkungen - für's nächste (bessere) Mal - oder für alle die die Premiere noch vor sich haben..

- Schlecht schlafen vor dem Marathon: passiert glaub fast allen. Wetter, Trainingsplan, Sicherheit, Verpflegung, welche Kleider ziehe ich nun an... Marathon laufen soll Angst machen, sonst würde man es Joggen nennen.

- Camelback und "mehr Gels". Camelback erstaunt mich ein wenig. Denn mit Gels brauchst du eigentlich nur noch Wasser, das gibt es unterweegs. Pro Stunde 1 bis max 2 Gels mit je ca. 4 dl Wasser, das wäre in deinem Fall vielleicht 6 Gels. Wer sie (wie ich) schlecht verträgt, halt gleiche Menge Isogetränke. Was du am Probelauf vorher verträgst (gleiche Sorte besorgen!), klappt  in der Regel auch am Lauf - oder liegt dann nicht unbedingt am Gel. 

- km 32 - Da steht der Hammermann so oder so, mit oder ohne Gels. Kann aber auch schon etwas früher sein, wenn du schneller gestartet wärst. Das Problem ist, dass einfach nach rund 3 Stunden die Kohlenhydrate weg sind und der Körper auf Fettverbrennung (und übrigens auch Muskelmasse...) wechselt. Da kann man einfach nicht mehr so schnell. Zudem auch eine Kopfsache: mehr als 30 km läuft man im Trainings einfach (zu) selten.

- ja, die letzten km - hart, frustrierend, bitter und hättest du Cola gekriegt, hättest du Schorle gewollt, da ist oft eh alles Sch... Die letzten Meter hingegen...  Ja, wir Läufer kennen das!  Für diese Meter haben wir viele Stunden gelitten - im Training und im Lauf. Auch das Grinsen danach... Das T-Shirt hab ich mit tränen in den Augen angezogen und habe mit der Medaille um den Hals geschlafen. 

- 6 Tage später einen schnellen 10 km - WOW. Nicht zu empfehlen  Aber wenn man die beiden Läufe nicht ganz auf Volle Pulle läuft und vom Marathon gut erholt kann es funktionieren, wenn man danach genügend lang pausiert. Aber das weisst du ja...

Gute Erholung - und keep on running!

HR

Tanja B├╝chler
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Post #16 of 16

Tja, was soll ich schreiben :-). 9 Tage ist es nun her, meine Marathonpremiere. Schreiben möchte ich eigentlich Danke an RC! Toller Trainingsplan und ich konnte mich eigentlich auch ganz gut daran halten.

Nun zum Thema Berlin Marathon.

Los ging es am Donnerstag, 13.09.18. Meine 3 Begleiter, mein Mami, eine Freundin und mein Ehemann, flogen mit Swiss von Kloten nach Berlin. Fliegen, überhaupt nicht meine lieblings Beschäftigung, aber selbst das habe ich mit der Laufreise zum Halbmarathon nach Malta Ende Februar 2018 trainiert. Ging mir dann super, als wir kurz vor Mittag in Berlin landeten. Mit dem Taxi fuhren wir dann zum Hotel und danach mit der U-Bahn zum alten Flughafen Tempelhof, wo die Berlin Vital Messe stattfand und ich die Starunterlagen abholen konnte. Tolle Laufmesse, das KaDeWe für und Läufer. Ja das KaDeWe war dann auch noch Ziel für den Donnerstagnachmittag. Die Freundin meiner Mutter hatte Tipps erhalten, das man das unbedingt mal sehen muss. Kaufhaus des Westens, 8 Stockwerke hoch und Kleider und Luxusgüter so weit das Auge reicht. Meine Beine wurden bei diesem rumgelatsche müde und ich wusste, dass dies der einzige Shoppingtrip werden wird. Mir macht das immer soooo müde... Bin da nicht die "typische" Frau. Shoppen ja, aber nur dann wenn ich was brauche. 

Freitag und Samstag standen dann noch im Zeichen des Sightseeing. Wow Berlin ist eine wunderschöne Stadt und mit den Hopp On - Hopp Off Bussen kann man jeden Hotspot besuchen.

Dann war er endlich da der Tag des Berlin Marathon. 16.09.2018 das magische Datum in meinem Läuferjahr. Die Vorfreude war ja schon wochenlang da. Zweifel hatte ich keine, dass ich es nicht schaffen würde. Marathon ist ja auch Kopfsache und im Kopf war ich bereit, dass wusste ich. Am Samstagabend habe ich mich dann früh ins Zimmer begeben und alles vorbereitet. Mein Mann war noch etwas trinken an der Bar. Als er dann ins Zimmer kam erwachte ich leider und dann kamen die bösen Gedanken... Nein, nicht diese Gedanken, die ihr vielleicht meint. Meine Gedanken kreissten um Terroranschläge wie damals in Boston. Ich hatte unglaublich komische Gedanken und bekam Angst, dass etwas in diese Richtung passieren könnte und dann hatte ich Angst um meine Begleiter, nicht unbedingt um mich. Ich wusste, sie mussten die U-Bahn nehmen und wollten verschiedene Punkte anfahren um micht dort zu sehen. Bestimmt werden sie nicht alleine in den U-Bahnstationen sein und wenn dann was passieren würde... nicht auszudenken. Warum ich diese Gedanken bekam, kann ich nicht sagen. Ich war damals nicht in Boston, aber mich traf dieser Anschlag sehr.

Okay, die Nacht ging vorbei. Tief geschlafen habe ich dann nicht mehr, aber ich habe ja damit gerechnet, dass die Nacht vor dem ersten Marathon nicht die Beste sein wird. Um 6.30 Uhr klingelte der Wecker, danach gings zum Frühstück. Viele Läufer waren im selben Hotel wie wir. An diesem Morgen lag Freude und Anspannung in der Luft. Ich musste mich zum Essen zwingen, aber ich kannte diese Nervosität. Ich habe über 20 Jahre aktiv Fussball gespielt und war vor jedem Spiel so "nervös". Genau diese Anspannung habe ich auch vor dem Marathon. Ich wusste, wenn wir uns auf den Weg machten, oder spätestens wenn ich dann dort bin, wird die Nervosität weg sein (so wars dann auch). Um 8.30 Uhr machten wir uns zu Fuss zum Startbereich. Herrliche Stille in der Stadt. Alles Strassen abgesperrt. Vor dem Startbereich verabschiedete ich mich von meinen Begleitern und wünschte ihnen einen stressfreien Tag. Dann begann das übliche Prozedere vor jeden Läufen, WC-Besuch... HILFE! Ich hab noch nie eine so lange Schlage gesehen, aber auch noch nie so viele mobile WC's. Toll organisiert, aber ich stand an einem doofen Ort. Plötzlich kam dann jemand vorbei und gab uns einen Tipp, wos noch ganz viele freie WC's hatte :-). Merci dem Unbekannten. Also los um 10.00 Uhr zum Startblock H gestresst und dann noch etwas nach vorne gedrängelt und dann hiess es um 10.15 Uhr Laufuhr an und los.

Auf der Strecke war ich erst mal etwas überfordert wegen den vielen Läufern. Ich musste mich daran gewöhnen. Ist man doch bei den langen Einheiten im Training immer alleine. Ich merkte auch, dass ich darum nicht mein Tempo laufen konnte, war etwas verkrampft auf den ersten 7 Kilometern. Naja, es waren schon nicht nur die anderen Läufer, auch ich hatte grossen Respekt vor der Distanz. Darum entschied ich mich, nicht auf das Tempo zu achten sondern auf meinen Körper zu hören und lief nach Gefühl. Gefühl war super, Temperaturen auch. Ich lief mit meinem Camelbak-Rucksack, weil ich so meine gewohnte Verpflegung zu mir nehmen konnte. Guter Entscheid im Nachhinein, aber ich hätte mehr Gel's benutzen sollen. Ich hatte auch Respekt, dass ich mein Gel's plötzlich nicht mehr vertragen würde. In den Trainingsläufen hatte ich zwar nie Probleme damit, aber was, wenn heute ein schlechter Tag ist? Ich war definitiv zu sparsam. Die Retourkutsche gabs dann halt bei Kilometer 32. Beine leer, Kopf noch nicht ganz. Ich wusste mein Mann hat ein Rivella dabei. Ich wusste er steht bei Kilometer 32, doch ich hatte Lust auf eine Cola. Ich habe meinem Mann leider nicht gefragt ob er nicht so gut sein würde und eine Cola in den Rucksack zu nehmen. Ich hätte wissen müssen, dass ich Lust auf Zucker bekam, auf eine Cola und nicht das Rivella, dass er dabei hatte. Habe dann meinen Wunsch nach Cola geäussert und dann organisierten meine Begleiter eine Cola, die ich dann kurz vor Kilometer 36 erhielt, mitten auf dem Kudamm, direkt vor dem KaDeWe :-). Danke ihr 3, ihr seid super! Die letzten 6 Kilometer waren dann schon recht streng... Ich lenkte mich ab indem ich mir vorstellte es sind 6 Kilometer die ich zu Hause irgendwo laufe. Dann endlich, das Brandenburger Tor. Diese Emotionen werde ich nie wieder vergessen. Eigentlich wollte ich mit dem Handy ein Video machen, aber ich musste nach 3 Sekunden ausschalten, ich musste vor Freude weinen und wollte den Moment für mich alleine. Tolle Stimmung der Zuschauer auf den letzten Metern. Unglaublich schön! Bekomme nur jetzt vom Schreiben schon wieder Gänsehaut. Dieses Gefühl im Ziel... ach wem sag ich das! Ihr seid ja selber Läufer.

Im Ziel mit Medaille, Bier und Ponscho musste ich mich mal setzen. WOW ich habs geschafft. Ich konnte nicht mehr aufhören zu grinsen. Den ganzen Nachmittag und auch beim Essen grinste ich. Eigentlich auch jetzt noch :-)! Ich bin nun Marathoni :-).

Tja, da ist das Ding nun. Der nächste Marathon plane ich auch, aber wo und wann weiss ich noch nicht. Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht schon wüsste, was ich besser machen würde beim nächsten Mal. Ach ja, Zeit im Ziel 4h44min. Die letzten 10 Kilometer waren heftig und langsam, aber ich wollte mir keinen Zeitdruck machen, darum bin ich mit der Zeit für meinen Ersten zufrieden. Der Weg war mein Ziel und die 42.195 Kilometer mit einem Lächeln zu finishen. Dies gelang mir :-)!

6 Tage später stand ich dann schon wieder an einer Startlinie. Ich hab mich super gut vom Marathon erholt. Am Dienstag leitete ich den Lauftreff (ohne gross selber Laufen zu müssen) und dann fasste ich den Entschluss, doch am Greifenseelauf über die 10 Kilometer zu starten. Zusammen mit meinem Mann. Für ihn wars der zweite Lauf in diesem Jahr (er ist eigentlich kein Läufer). Ich führte ihn in seiner Bestzeit von 55:58 über 10 Km ins Ziel. Ich weiss, der Körper braucht Zeit nach einem Marathon, diese nehme ich mir jetzt. Meine Regeneration nehme ich durchaus ernst, aber für meinen Mann habe ich die Regeneration auf diese Woche verschoben.

So, nun danke ich euch fürs Lesen und wünsche euch einen tollen Herbst.

Keep on running!

Tanja

Berlinmarathon1